CHRONIK          

 

Das genaue Gründungsdatum des Orchesters ist nicht feststellbar, doch eine Ankündigung in der Fachzeitschrift "DIE POST" aus dem Jahre 1892 besagt, dass am 11.Juni des gleichen Jahres in Weigls Etablissement "DREHERPARK" in Meidling unter dem Protektorat des Leiters der K u K Post- und Telegraphendirektion für Österreich unter der Enns, Hofrat Heinrich Ritter von Kamler, anläßlich des 25jährigen Bestandes des Krankenunterstützungs-, Leichen- und Musikvereins der k.k Postbediensteten in Wien ein Wohltätigkeitskonzert stattgefunden hat, bei welchem auch die 120 Mann starke Vereinskapelle mitgewirkt hat. Somit ist anzunehmen, dass die Gründung der Wiener Postmusik nach oder gar schon im Jahre 1867 erfolgt ist.


Die Musik bewies immer wieder ein hohes künstlerisches Niveau. Sie war äußerst beliebt und stadtbekannt und stand stets in scharfem Konkurrenzkampf mit den Militärmusikkapellen. Als es im Jahr 1908 wegen der Annexion Bosniens zu einer Teilmobilisierung kam und Wien vom Militär entblößt war, wurde das Postorchester für das tägliche Konzert im Prater, im dritten Kaffeehaus engagiert. Bezeichnet für die Auffassung der damaligen Postverwaltung war das Verbot des Mitwirkens im Orchester für die Beamten, da man ein solche Tätigkeit als standeswidrig betrachtete.


Nach der vierjährigen Pause des ersten Weltkrieges erstand das Orchester zu neuem Leben. Es waren auch ehemalige Militärmusiker, die dem Postorchester neues Ansehen verliehen.


Im Jahre 1934 wurde die Postmusik als Teil eines politischen Vereins betrachtet, da sie acht Jahre vorher als gewerkschaftliches Postorchester neu gebildet worden war. Nach vorherigen Umgruppierungen wurde die Musik von der "Vaterländischen Front" übernommen. Bedingt durch die politische Situation im Jahre 1938 kam es innerhalb der Postmusik Wien abermals zu Veränderungen und das Orchester wurde in eine Postschutzkapelle umgewandelt.


Die Bediensteten, die in den stürmischen Apriltagen des Jahres 1945 unter schwersten Umständen Dienst versahen, waren bemüht, die alte Postmusik trotz großen Opfern wieder aufzubauen. Sie bekamen nach langwierigen und nicht ungefährlichen Verhandlungen mit den russischen Besatzungstruppen dann endlich die Musikinstrumente des ehemaligen Postschutzes ausgefolgt. Bereits im Juni 1945 fand im Postgebäude der Zollergasse die erste Musikprobe des neu aufgebauten Orchesters statt, welches schon nach wenigen Monaten auf ein 50 Mann starkes Streichorchester und ein 60 Mann zählendes Blasorchester angewachsen war.


Der Gedanke, mit den Musikkollegen aus den Bundesländern zusammenzukommen, um gemeinsam zu musizieren und die Kräfte untereinander zu messen, wurde damit zu einer fixen Einrichtung, welche jede Kapelle anspornt, ihr Bestes zu geben.


 Im Zuge der Generalversammlung im Jahre 1969 wurde über eine Empfehlung   der Gewerkschaft der Post- und Telegrafenverwaltung  beschlossen, die Postmusik Wien vereinsmäßig aufzubauen. Dies erfolgte durch OPR Heribert Komarek, Verbindungsbeamter zur Verwaltung, der hierauf zum Obmann gewählt wurde. In den Satzungen wurde die Bestimmung der fördernden Mitglieder aufgenommen, welche durch ihren monatlichen Mitgliedsbeitrag die finanzielle Grundlage des Vereins bilden. Die Postmusik war und ist in der Folge bemüht, solche zu gewinnen.


In der Generalversammlung im Jahre 1971 ersucht Heribert Komarek von einer Wiederwahl als Obmann des Vereins abzusehen, da er infolge dienstlicher Überlastung diese Agenden nicht mehr ausführen könne. In Verbindung mit einer Änderung der Statuten, die die Schaffung der Funktion eines Präsidenten der Postmusik vorsah, wurde OPR Heribert Komarek mit dieser Funktion betraut. Neuer Obmann wurde Johann Groiss.


Dass das Orchester der Post- und Telgraphenbediensteten Wien immer wieder mit eigenen Veranstaltungen oder anderen Gelegenheiten hervortritt, ist in der gesamten Kollegenschaft bekannt. Dies wäre ohne unseren Förderern, insbesondere der Generaldirektion und der Gewerkschaft der Post und Telegraphenbediensten nicht möglich.

 

 

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